1. Festwoche 17. – 24. Mai

Eine Woche unter Palmen

SONNTAG

Nikolaikirche eröffnet die 1. Festwoche zur 850-Jahr-Feier

Mit einem ökumenischen Festgottesdienst eröffnete unsere Gemeinde am Sonntag, 17. Mai 2015, die 1. Festwoche anlässlich des 850jährigen Jubiläums. Im Mittelgang der Kirche wurde ein Zeitstrahl ausgelegt, auf dem wichtige Daten der Geschichte des Gotteshauses markiert sind. Im Anschluss an den Gottesdienst traf sich die Gemeinde auf dem Nikolaikirchhof um den Auftakt dieses Festsonntages bei einem gemeinsamen Mittagessen und Freizeitangeboten für die jüngsten Gemeindeglieder ausklingen zu lassen.

Radiobeitrag vom „Hitradio RTL“ vom 17. Mai 2015

 

 

Fernsehbeitrag vom „Sachsenspiegel“ vom 17. Mai 2015

Fotos: Copyright by Andreas Birkigt


MONTAG

Friedensgebet in der Festwoche 17. bis 25. Mai 2015

Unter dem Zitat aus dem Buch des Propheten Jeremia „Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn“ sammelten sich am Montag um 17 Uhr hochrangige Gäste aus dem öffentlichen Leben Sachsens sowie Gemeindeglieder und Besucher in der gut gefüllten Nikolaikirche zum Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. In seiner Predigt ging OLKR Peter Meis auf die Worte „wie lieblich sind deine Wohnungen Herr Zebaoth“ aus dem 84. Psalm ein. Die Predigt können Sie im Link Ansprache Peter Meis nachlesen. Das Fürbittgebet schloss die Problematik der aktuellen Flüchtlingssituation speziell in Leipzig mit ein.

Im Anschluss daran traf man sich beim Festakt im Alten Rathaus wieder

Superintendent Martin Henker begrüßte alle Anwesenden sehr herzlich zu diesem Empfang, der vom Posaunenchor der Nikolaikirche musikalisch umrahmt wurde. Danach ging Oberbürgermeister Burkhard Jung in seinem Grußwort vor allem auf die historische Bedeutung der Leipziger Nikolaikirche ein. Er gab zu bedenken, dass von den vier ehemaligen Stadtkirchen nur noch zwei erhalten sind und erinnerte in diesem Zusammenhang auch daran, welch schrecklicher Blick sich im Jahr 1813 vom Turm von St. Nikolai sich dem Betrachter an Toten und Verletzten anlässlich der Völkerschlacht bot. Jung verwies darauf, dass die Nikolaikirche (als einzige Leipziger Kirche?) keine Schwellen besitzt, sondern ein ebenerdiger Zutritt möglich ist. In diesem Zusammenhang erinnerte der Oberbürgermeister daran, dass dies ganz im Sinn von Pfarrer Führer mit dessen Gedankengang „Kirche offen für alle“ war.

Abschließend bedankte sich der Oberbürgermeister bei Superintendent Henker für das Engagement bei während der fremdenfeindlichen Demonstrationen in Leipzig. Das Friedensgebet ist für die Stadt Leipzig von einer immensen Bedeutung. „Mischen Sie sich weiter in die Belange der Stadt Leipzig ein“ ermunterte der Oberbürgermeister die anwesenden Gemeindeglieder von St. Nikolai und beendete seine Ausführungen mit einem „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.“

Sachsens Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) überbrachte zu Beginn seiner Ansprache Grüße von Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich. In seinem Grußwort wies Gemkow darauf hin, dass die Gründung von St. Nikolai nicht auf einen Bischof oder einen Fürsten sondern auf das Engagement von Kaufleuten und dem sich entwickelnden Bürgertum zurückgeht und sich daraus eine Stadtgemeinde entwickelte. Dann erinnerte sich der Staatsminister in seinem Grußwort daran, wie er und seine Familie speziell die Tage im Herbst 1989 erlebte und sich darin das Parallelen zu manch anderem Leipziger Bürgern widerspiegelt. Sein Vater, ein bekennender Christ, war mit einem Mitglied der Kampfgruppen befreundet. Beide wollten damals keine Gewalt. Jeder im Saal, der damals in Leipzig mit dabei war, konnte diese sehr emotionalen Ausführungen nachvollziehen Gemkow schloss seine Ausführungen mit den Worten: „Möge die Nikolaikirche der Stadt Leipzig zu jeder Zeit ein segensreicher Ort sein.“

Nach den Grußworten kam es beim anschließenden Stehbankett zu angeregten Gesprächen zwischen den Gastgebern, Politikern, Mitgliedern des Kirchenvorstands und den übrigen Gästen. Solche Begegnungen leben ja auch davon, dass alte Bekanntschaften aufgefrischt, Erinnerungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft werden.

Fotos: Copyright by Andreas Birkigt


DIENSTAG

Kirchenführungen Spezial

Diese Sonderführungen gewährten Einblicke in Räume wie Keller und Dachgeschoss, die normalerweise dem Besucher unserer Kirche verborgen bleiben. Auch eine Kirchenführung mit Orgelmusik sowie spezielle Turmführungen fanden bei unseren Gästen reges Interesse.

Im Anschluss wurde an diesem Abend zu einem Nachtgebet eingeladen, dass in dieser Woche jeweils täglich um 22 Uhr in der Nikolaikirche angeboten wird.

Nachtgebet1


MITTWOCH

Festkonzert mit dem Leipziger Vokalensemble „amarcord“

Fotos: Copyright by Andreas Birkigt


DONNERSTAG

„Die säkulare Gesellschaft braucht das klare Wort der Kirchen“

Der Theologe Fulbert Steffensky war in der Leipziger Nikolaikirche zu Gast

FSteff-2„Suchet der Stadt Bestes“ heißt es in der Bibel. Aufgeschrieben wurde es im 6. Jahrhundert vor Christus. Das Volk Israel war aus Jerusalem in babylonische Gefangenschaft verschleppt worden und viele lebten in der „geschönten Erinnerung im fremden Babylon“, sagte Fulbert Steffensky in seinem Vortrag über dieses Jeremia-Wort unter dem auch das Festjahr zum 850jährigen Jubiläum der Leipziger Nikolaikirche steht. Doch die Nostalgie sei der Feind der neuen Welt, sagte Fulber Steffensky den ca. 250 Besuchern. Ohne eine gewisse Treulosigkeit zur alten Welt fasse man in der Gegenwart keinen Fuß. Deshalbhabe der Prophet Jeremia dem Volk Israel den Rat gegeben, in der Fremde heimisch zu werden und alles für das Wohl der Stadt zu tun. Diesen Auftrag haben Christen auch heute, egal ob in Babylon oder Leipzig, sagte der in der Schweiz lebende Theologe. „Wir weinen unserer alten abendländischen Welt nach. Doch das christliche Abendland war weniger christlich, als wir ihm unterstellen“, meinte der Theologe und verwies auf die Stellung der Kirchen im Ersten Weltkrieg, im Nationalsozialismus und zum Judenhass. Deshalb dürfe der Blick nicht verblendet rückwärts sein. „Zuerst sollten wir den Blick auf den Reichtum unseres Erbes und unseres Glaubens richten“, meinte Steffensky. Damit sollten die Christen stärker in die Öffentlichkeit gehen, beispielsweise Fremden zur Seite stehen und Gastfreundschaft zu üben und sich entschieden dazu in der Öffentlichkeit auch bekennen.

Nach dem Referat lud Superintendent Henker alle Gäste in das „Cafe der Begegnung“ ein. Dieser Ort war klug gewählt, verloren sich die interessierten Zuhörer darin nicht so sehr, wie in dem großen Kirchenschiff. So kam es zu einer lebhaften Diskussion über die Ausführungen Steffenskys. Der Abend klang dann mit dem obligatorischen Nachtgebet aus.

Foto: Copyright by Andreas Birkigt


FREITAG

Festvortrag mit Prof. Kurt Biedenkopf, Dresden: „Die Bedeutung der Aufklärung für das 21. Jahrhundert“

Nach der offiziellen Begrüßung gab Pfarrer Bernhard Stief eine kurze Hinführung zur Architektur der Nikolaikirche zur Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert.

Prof. Biedenkopf wies zu Beginn schmunzelnd darauf hin, wenn es bereits im 18. Jahrhundert einen Denkmalschutz gegeben hätte, würden es heute keine „Woche unter Palmen“ – so lautete das Thema unserer 1. Festwoche – geben. Dann referierte Prof. Kurt Biedenkopf zum Thema: „Die Bedeutung der Aufklärung für das 21. Jahrhundert“. Seine Ausführungen gingen bis ins 15. Jahrhundert zurück und spannt sich von Martin Luther als dem Übersetzer der Bibel zu Johannes Gutenberg als dem Erfinder des Buchdrucks. Im 18. Jahrhundert, also dem Zeitpunkt dem die Epoche der Aufklärung zugeordnet wird, war Sachsen die Wiege der Industrialisierung. In der Gegenwart bestimmen jetzt technisch hochentwickelt Produkte die Medienlandschaft. Das Internet ist auch im entlegensten Winkel Afrikas zu empfangen und das hat eben im Zeitalter der Globalisierung einen bisher nie gekannten Informationsfluss zur Folge, der auch Ursache der gegenwärtigen Zuwanderungs- und Flüchtlingsproblematik ist. „Die Solidarität der Generationen untereinander steht auf dem Prüfstand. Aufklärung bedeutet die richtigen Fragen zu stellen“ schloss Prof. Biedenkopf seine Ausführungen.

Im Anschluss an seinen Bericht stellte sich Prof. Biedenkopf den zahlreichen Fragen der Zuhörer, die in der gut gefüllten Nikolaikirche anwesend waren.

Fotos: Copyright by Andreas Birkigt


 

SAMSTAG

„Eine Zeitreise“ – Gemeindefest mit einem Gang durch die Jahrhunderte der Nikolaikirche

Zum Auftakt wurde den Besuchern unseres Gemeindefestes ein Rückblick in die „Biblische Zeit“ ermöglicht: Der biblische Bericht vom Propheten Jona wurde als Kindermusical aufgeführt.

Danach wurde zur Kaffeetafel geladen und die große Geburtstagstorte angeschnitten. Zugleich gab es für die Kinder die Möglichkeit mal eine mittelalterlichen Kinderstube kennen zu lernen oder bei Musik und Tanz mit der Gruppe „Nimmersélich“ die Zeitreise in die Vergangenheit fortzusetzen.

Mehr für die reifere Generation gedacht, wurde dann gegen 17 Uhr in der Nikolaikirche eine sehr gut besuchte Orgelmusik PLUS ebenfalls mit der Gruppe „Nimmersélich“ und Nikolaikantor Jürgen Wolf angeboten. Wem das zu besinnlich war, der konnte sich an den Ständen vom Handwerkermarkt zum Mitmachen animieren lassen. Dicht umlagert war beispielsweise der Amboss vom Schmied auf dem Nikolaikirchhof, der aus einem Schwert eine Sichel machte, die Pfarrer Stief dann in der Abendandacht mit erklärenden Worten symbolisch auf den Altar legte.

Während dieser Andacht wurden die Besucher ermuntert, ihre Segenswünsche für die Einwohner der Stadt Leipzig auf einen Zettel zu schreiben und an einen Luftballon anzuhängen. Diese Luftballons stiegen zum Abschluss der Festwoche dann in den Himmel auf. Mal sehn: Vielleicht gibt es sogar eine Rückmeldung …

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Fotos: Copyright by Andreas Birkigt


SONNTAG

„Der Geburtstag“ – Festgottesdienst mit Heiligen Abendmahl und dem BachChor

Fotos: Copyright by Andreas Birkigt