Friedensgebete

Geschichte

Angesichts der zunehmenden atomaren Hochrüstung auf beiden Seiten des „Eisernen Vorhangs“ ab 1979 rief die Jugendarbeit der evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland 1980 erstmals zu der von da an jährlich stattfindenden „Friedensdekade“ auf. Zehn Tage im November mit Abschluss am Bußtag sollten dem Engagement für den Frieden, der Diskussion über friedensethische und -politische Fragestellungen und dem Gebet für den Frieden gewidmet sein. In Leipzig fand die erste Friedensdekade mit täglichen Friedensgebeten 1981 in der Nikolaikirche statt.

Wöchentliche Friedensgebete gab es bereits in einigen Städten der DDR, unter anderem seit 1978 in Erfurt und seit 1981 in Dresden.
Nach der Erfahrung der ersten Friedensgebete in der Friedensdekade 1981 war dieser Wunsch auch in Leipzig entstanden. Im März 1982 wandte sich die Junge Gemeinde Probstheida mit dem Diakon Günter Johannsen mit den Worten „Wir können nicht warten, bis es wieder Herbst wird“ an Superintendent Friedrich Magirius. Der Kirchenvorstand von St. Nikolai-St. Johannis beschloss, ihnen die Kirche zu „Gebetszeiten“ zur Verfügung zu stellen. Im September 1982 wurde das erste Friedensgebet außerhalb der Friedensdekade durchgeführt. Bald wurden die Friedensgebete auch von anderen Gruppen, die sich aktiv mit der politischen Realität in der DDR auseinander setzten und sich selbst als „Basisgruppen“ bezeichneten, gestaltet. Seitdem finden, bis auf eine Sommerpause, jeden Montag Friedensgebete in der Nikolaikirche statt.

Bis zur Friedlichen Revolution war das montägliche Friedensgebet eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Menschen viele ihrer Nöte, Sorgen und Anliegen ungestraft aussprechen durften. Mit der Einführung demokratischer Strukturen, durch die Meinungs-, Presse-, Wahl-, Demonstrations- und Versammlungsfreiheit als Grundrechte garantiert wurden, ist diese Möglichkeit nicht mehr auf die Kirche beschränkt. Dennoch bleibt die Nikolaikirche, nunmehr durch ihre überregionale Bekanntheit, ein Ort, an dem viele Themen eine breite Öffentlichkeit finden.

Aufgabe der Friedensgebete bleibt es, zu informiertem und verantwortlichem Gebet aufzurufen und einzuladen. So werden der gemeinsamen Fürbitte Informationen über aktuelle Gebetsanliegen vorangestellt und der Gemeinde mithilfe der biblischen Botschaft Impulse für das eigene Handeln aufgezeigt. Etwa 25 Gruppen, Vereine und Initiativen, die in einen Trägerkreis eingebunden sind, gestalten auf diese Weise Montag für Montag – mit Ausnahme der Sommerpause – jeweils 17 Uhr das Friedensgebet in der Nikolaikirche.

Friedensgebete

Jahresplan

Die Friedensgebete finden jeweils montags 17 Uhr in der Nikolaikirche statt. Eine Ausnahme bildet die Friedensdekade vom Drittletzten Sonntag im Kirchenjahr bis zum Buß- und Bettag, in der täglich Friedensandachten angeboten werden. Eine Gesamtübersicht der Friedensgebete können Sie sich hier herunterladen: Gesamtübersicht der Friedensgebete.

In der folgenden Tabelle finden Sie alle Gottesdienste und Andachten der Gemeinde.

Vernetzungstreffen

In vielen Kirchgemeinden sind die Friedensgebete Anfang der 90er Jahre wegen schnell sinkender Teilnehmerzahlen erloschen. Pfarrer Christian Führer interessierte es, wo in Deutschland weiterhin Friedensgebete unter  geänderten gesellschaftlichen Bedingungen stattfanden. Er erkundigte sich und erfuhr, dass es tatsächlich solche Gemeinden gibt! So kam es zum ersten Treffen von Vertreterinnen und Vertretern der bekannt gewordenen Friedensgebetsgemeinden 1996 in Leipzig. Weitere Treffen wurden jeweils für ein Wochenende im September vereinbart. Sie fanden statt:

1997 in Lübeck, 1998 in Dresden, 1999 in Bad Nauheim, 2000 in Coswig, 2001 in Pinneberg, 2002 in Ulm, 2003 in Dresden, 2004 in Bühl, 2005 in Leipzig, 2006 in Würzburg, 2007 in Nürnberg, 2008 in Münster-Wolleck, 2009 in Hamburg, 2010 in Detmold, 2011 in Schorndorf b. Stuttgart, 2012 in Kiel, 2013 in Ulm, 2014 in Sasbach (Schwarzbach), 2015 in Leipzig.
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Abschlussfoto vor der Nikolaikirche am 11. Oktober 2015 / Foto: Andreas Birkigt

Das nächste Vernetzungswochenende findet vom 23. – 25. September 2016 in Ottensoos (Franken) statt.

Thematische Arbeit, qualifizierter Erfahrungsaustausch und das „geistliche“ Beisammensein dieser engagierten Frauen und Männer machen dieses einmal jährlich stattfindende Treffen zu einem Gewinn für alle. Alle Gemeinden haben das Problem der kleinen Zahl. Meistens sind es Frauen, dazu „Laien“, die an der Basis treu und zäh durchhalten und festhalten am Gebet für unsere kranke Welt mit ihren verunsicherten Menschen. Aber der kleinen Zahl gilt die Verheißung Jesu: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ (Lukas 12, 32) Was das heißt, haben wir ein Stück weit im Herbst 1989 am eigenen Leib erfahren! Von dieser Verheißung lebt auch heute jede Gemeinde und Friedensgebetsgruppe, unabhängig von der Zahl.

Das Vernetzungstreffen 2015 wurde gefördert durch den Freistaat Sachsen. Mehr über das Förderprogramm finden Sie hier.

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Tag der friedlichen Revolution

Der Tag der friedlichen Revolution ist mit dem 9. Oktober 1989 verbunden. Jährlich wird an diesem Tag ein besonderes Friedensgebet in der Nikolaikirche gefeiert und ein Lichtfest auf dem Augustusplatz begangen.

Erfahren Sie mehr unter „9. Oktober