Nikolaikirche wie zu Bachs Zeiten – 16. Juni, 19 Uhr

Virtuelle Reise in die Bach-Zeit: KI-gestützte Computersimulation macht Leipziger Nikolaikirche wieder erlebbar

Die Leipziger Nikolaikirche ist nicht nur ein herausragendes Baudenkmal und Ort der Demokratiegeschichte (Friedliche Revolution 1989), sondern hat als ehemaliger Wirkungsort Johann Sebastian Bachs von 1723 bis 1750 eine musikgeschichtlich herausragende Stellung. Hier führte Bach erstmals seine Johannes-Passion, das Weihnachts-Oratorium sowie viele seiner in Leipzig entstandenen Kantaten erstmals auf.

In einem interdisziplinären Forschungsvorhaben wurde nun das Innere der Nikolaikirche virtuell rekonstruiert, wie es sich zu Bachs früher Leipziger Zeit, also in den ersten 10 Jahren seiner Amtszeit als Thomaskantor, darbot. Im Gegensatz zum heutigen Aussehen der Kirche mit ihren markanten, palmenförmigen Säulen, das auf den klassizistischen Umbaus zwischen 1784 und 1797 durch den Stadtbaumeister Johann Carl Friedrich Dauthe zurückgeht, bot der Innenraum zu Bachs Zeit ein historisch gewachsenes, durch verschiedene Bauepochen geradezu „buntes“ Bild. Der damalige Zustand ist durch erhaltene Abbildungen, Baupläne und Beschreibungen dokumentiert.

„Mit dieser virtuellen Rekonstruktion können wir erstmals die realen Aufführungs- bedingungen Bachs – sowohl die Platzverhältnisse auf der Musiker- und der Orgelempore als auch die akustischen Verhältnisse – grundlegend nachvollziehen“, erklärt der Dirigent und Bach-Forscher Alexander Grychtolik, der das Projekt initiiert hatte. Die Generierung der komplexen 3D-Modelle für die Visualisierung war durch den Einsatz von KI mit einer Zeitersparnis von bis 50% möglich, jedoch kommt dem Menschen bei solchen Vorhaben, die wissenschaftliches Neuland betreten, weiterhin die führende Rolle zu. Die KI-gestützten Visualisierungen wurden durch die Dresdner Firma ARTE4D (Andreas Hummel) in Kooperation mit den Architekturhistorikern Prof. Dr. Paul Zalewski (Viadrina Universität Frankfurt/Oder) und Dr. Tobias Knobelsdorf (Dresden) umgesetzt.

Am 16. Juni 2026 wird die Visualisierung in der Nikolaikirche erstmals öffentlich präsentiert, Beginn ist 19.00 Uhr, Ende gegen 19.40 Uhr. Zu den Visualisierungen wird der BachChor unter Leitung von Nikolaikantor Markus Kaufmann singen, um die Besucher virtuell in die Rolle der damaligen Gottesdienstbesuchenden zu versetzen und damit ein einmaliges Erlebnis von Musik und Raum ermöglichen, das zugleich in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft weist.

Abbildungsnachweise: Nikolaikirche im Zustand der frühen Leipziger Zeit J. S. Bachs, Rekonstruktions versuch: Alexander Grychtolik, Tobias Knobelsdorf und Paul Zalewski, Visualisierung: Andreas Hummel (Arte4D), 2026