Glockenprojekt

Geschichte

Geschichte der Glocken der Nikolaikirche

Erste konkrete Angaben über die Glocken der Nikolaikirche gibt es erst mit Berichten über eine Osanna, die im Jahr 1452 (vermutlich auf dem Nikolaikirchhof) von einem Meister LUCAS HALL gegossen wurde. Die Angaben des Gewichtes der Osanna schwanken zwischen 92 und 113 ⅓ Zentner. Sie soll im Nordturm der Nikolaikirche gehangen haben. Neben einer Inschrift sollen auf der Glocke die vier Evangelisten und darunter die Kreuzigung Christi, sowie St. Nikolaus und St. Martinus dargestellt gewesen sein, darüber der Name Nicolaus Eisenberg. Wahrscheinlich war also NICOLAUS EISENBERG der Künstler, der die Glockenzier ausgeführt hat – vermutlich in Ritztechnik. Von einer zweiten oder mittleren Glocke der Nikolaikirche aus dem Jahr 1514 wird nur die Inschrift überliefert. Außerdem wird die Existenz von zwei weiteren kleinen Glocken erwähnt. Einzelheiten über diese Glocken fehlen jedoch leider völlig.

Im Jahr 1633 wurde Leipzig belagert. Durch den Beschuss mit einer „Feuerkugel“ bekam die Osanna am 12. August einen Riss und wurde am 28. September während des Läutens „völlig zersprengt“. Mit dem Neuguss wurde JAKOB KÖNIG aus Erfurt beauftragt. Der Glockenguss erfolgte im folgenden Jahr 1634 auf dem Nikolaikirchhof. Das Gewicht wird mit 114 und 117 Zentnern angegeben, der Durchmesser der Glocke soll 12 Ellen betragen haben. Die von JAKOB KÖNIG gegossene Großglocke riss beim Karfreitagsläuten im Jahr 1867.

Offenbar war man sich schnell einig, nicht nur die große gesprungene Glocke zu ersetzen, sondern gleich das komplette Geläut neu gießen zu lassen. Den Auftrag erhielt die Leipziger Glockengießerei GUSTAV ADOLPH JAUCK . Der Guss der vier neuen Glocken g° – h° – d ‚ – g ‚ erfolgte vermutlich in den Monaten Mai oder Juni des Jahres 1869. Am 18. Juli 1869 fand die Glockenweihe statt. Die große Glocke wurde im Südturm, die drei übrigen Glocken im Nordturm aufgehängt. Das im Jahr 1869 geschaffene Vierergeläut stellte eine der bedeutendsten Gussleistungen der Glockengießerei JAUCK dar. Die g° – Glocke war eine der größten, wenn nicht sogar die größte Glocke, die aus dieser Werkstatt hervorging. Bedauerlicherweise läuteten die vier Glocken nur 48 Jahre lang zusammen. Am 25. Juli 1917 wurden die beiden großen und die kleinste Glocke des Geläutes vom Turm abgenommen, um sie für Rüstungszwecke einzuschmelzen. Die Beichtglocke (Glocke III, d‘) blieb erhalten. Beim Herablassen stürzte die große Glocke nach unten und grub sich mit einer Seite etwa einen halben Meter tief in den Gehweg. Über Verletzte wurde nicht berichtet, die Glocke hat angeblich dabei keinen nennenswerten Schaden genommen.

Glockenaufzug-1925-IIIn der ersten Juliwoche des Jahres 1925 erfolgte der Guss zweier neuer Glocken (h° und e‘) in der Glockengießerei FRANZ SCHILLING SÖHNE in Apolda. Die Glockenweihe fand am 11. Oktober 1925 statt (Glockenaufzug s. Foto). Von dem nun bestehenden Dreiergeläut mussten jedoch wieder zwei Glocken zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Anfang Dezember 1941 wurden die beiden großen Glocken (SCHILLING, h° und JAUCK, d‘) auf dem Turm zerlegt. Am 18. Dezember 1941 erfolgte die Ablieferung. Die kleinste Glocke (SCHILLING, e‘) verblieb im Turm.

Zu Beginn der 1950er Jahre gab es Überlegungen zur Ergänzung des Geläutes. Zur verbliebenen e‘ – Glocke von 1925 sollten zwei Glocken mit den Tönen h° und d‘ gegossen und ebenfalls im Nordturm aufgehängt werden. Es dauerte aber noch mehr als zehn Jahre, bis das Vorhaben umgesetzt werden konnte. Am 1. September 1964 erfolgte der Guss zweier Bronzeglocken durch FRANZ SCHILLING in Apolda. Am Reformationsfest 1964 fand die Glockenweihe statt. Bis zum heutigen Tag läuten im Nordturm der Nikolaikirche folgende drei Glocken:

Glocke I (Franz Schilling, Apolda 1964 / Gewicht 2342 kg / h° / Inschrift vorn: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE) – s. Foto

Glocke II (Franz Schilling, Apolda 1964 / Gewicht 1284 kg / d’ / Inschrift vorn: DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN)

Glocke III (Otto Schilling, Apolda 1925 / Gewicht 1280 kg / e’ / Inschrift vorn: FRIEDE AUF ERDEN)

Die 1869 gegossene und 1917 abgenommene große Glocke ist bisher nicht ersetzt worden. Der Holzglockenstuhl und das Holzjoch dieser Glocke sind im Südturm noch vorhanden (s. Foto).

Glocken-Nikolaikirche-IIGlocken-Nikolaikirche-III

(Text in Auszügen aus: „Die Glocken der Nikolaikirche Leipzig“ von Friedemann Szymanowski)

Vorhaben

Am 2. August 2016 fand eine Beratung zum Klangkonzept des Glockenprojektes unter Beteiligung zweier Glockensachverständiger, des Nikolaikantors, des Pfarrers und eines Vertreters des Kirchenvorstandes statt. Folgendes Ergebnis wurde festgehalten:

Für die weitere Aufgabenstellung der Tragwerksplanung ist es unerlässlich, relativ exakte Aussagen zur geplanten Disposition zu treffen, die aber nicht nur für die Nikolaikirche sondern auch für die gesamte Innenstadt von Leipzig und auf Grund seiner Bedeutung mindestens in Fachkreisen nationale Bedeutung erlangen wird.

Folgende Ergebnisse wurden fixiert:

  • Die vorhandene Glocke 3 (e‘ +4, Otto Schilling, 1925) wird langfristig aus dem Geläut genommen (ggf. innerhalb der Glockenlandschaft der sächs. Landeskirche getauscht) und gegen eine Glocke e‘ -3 ersetzt.
  • Die vorhandenen Glocken  1. + 2. (Franz Schilling 1964) sollen in das neue Geläut integriert werden.
  • Die neue „Osanna“ (g°-3) des Geläutes soll im Südturm im noch instand zusetzenden Glockenstuhl von 1869 Platz finden und alleine läuten.
  • Zusätzlich zu diesen 4 o.g. Glocken sollen noch weitere 4 Glocken zu einem insgesamt 8 stimmigen Geläute mit folgender Disposition zusammengeführt werden:
Glocke  Schlagton Gewicht Durchmesser Anmerkungen
I g°-3 5.675 kg ~ 2.120 mm „Osanna“
II h°-3 2.342 kg 1.584 mm F. Schilling, 1964, vorhanden
III d‘-4 1.284 kg 1.310 mm F. Schilling, 1964, vorhanden
IV e‘-3 1.065 kg ~ 1.225 mm Bestand e‘ +4 abgeben und Neuguss!
V fis‘-3 900 kg ~ 1.150 mm Neuguss
VI g‘-1 710 kg ~ 1.060 mm Neuguss
VII a‘-1 545 kg ~ 965 mm Neuguss
VIII h‘-1 420 kg ~880 mm Neuguss
  • Empfehlungen der Tragwerksplanung für den Nordturm zu einem neuen Glockenstuhl mit 6 (statt 7) Glocken wurden dabei keinesfalls ignoriert. Vielmehr ist aus glockenmusikalischen und liturgischen Gründen der Verzicht auf die Glocke h‘ mit erheblichen klanglichen Einbußen verbunden. Deshalb wird der Hoffnung Ausdruck verliehen, zwingend die Möglichkeit mit 2 kleinen Glocken in einem gemeinsamen Gefach zusammen zu läuten, nachfolgend noch zu untersuchen (durch IB Prof. Kempe). Gerade in der Höhe der Glockenstube wird das Potential gesehen, hier mit genialen Anordnungen doch noch zu diesem überaus repräsentativen Ergebnis zu kommen. Insbesondere durch die Tatsache, dass das renommierte Büro Prof. Kempe die Tragwerksplanung übernommen hat, lässt uns hoffen, dass wir mit der Erfahrung von mehr als 2 Jahrzehnten Glockentragwerkplanung (nicht nur in Sachsen) hier zu einer praktikablen Lösung gefunden wird.
Finanzierung

Text folgt